Basisgemeinden Österreich

er nimmt ihn an der hand

Gedanken zu Matthäus 14,22-33

Liebe Gemeinde,

Wir stellen an diese Erzählung meist sofort die Frage: Wie konnte Jesus über das Wasser gehen? Wer aber die Symbolsprache der damaligen Zeit kennt, der weiß, dass hier in einer damals vertrauten Bildsprache eine andere Frage beantwortet werden soll. Nämlich: Wer ist Jesus? Menschen, die auf dem Wasser gehen konnten, hatten nach damaligem Verständnis göttliche Qualität, sowohl bei Juden als auch bei den Griechen. Auch andere Motive wie der Sturm, die Aussage „Fürchtet euch nicht!“ und anderes weisen darauf hin, dass Jesus hier wie Gott selbst im AT beschrieben wird. Was dabei konkret geschehen ist, muss offen bleiben.

Wir haben gehört, wie Petrus Jesus um Hilfe bittet. Diese Bitte gewinnt an Bedeutung, wenn man unsere Erzählung mit einer sehr ähnlichen Geschichte im Buddhismus vergleicht:

Ein Jünger Buddhas sucht vergeblich ein Fährboot über den Fluss Aciravati. Im Vertrauen auf seinen Meister beginnt er meditierend über den Fluss zu schreiten. Doch plötzlich erwacht er aus der geistigen Versenkung, sieht mit Schrecken die Wellen und beginnt unterzugehen. Doch er schafft letztlich doch die Überquerung des Flusses, weil es ihm gelingt, sich wieder in die meditierende Versenkung zu begeben. - Der Unterschied zu Petrus ist offensichtlich: Der Buddhist rettet sich durch Meditation selbst, Petrus lässt sich von Jesus helfen. Der christliche Glaube vertraut nicht nur auf die eigenen Fähigkeiten, er lässt sich von Gott und von anderen Menschen helfen.

Wir leben in einer Zeit, in der viel von Selbstoptimierung gesprochen wird. Durch Sport, gesunde Ernährung, Fortbildungen, mentale Techniken versuchen die Menschen möglichst unabhängig von anderen zu sein, alles selbst in der Hand zu haben. Die ständige Verbesserung der eigenen Fähigkeiten ist ja nichts Schlechtes, aber wir sollten auch unsere Grenzen akzeptieren. Und bei vielen Dingen sind wir einfach auf andere angewiesen und sollten auch die Demut haben, Hilfe anzunehmen und auch wie Petrus darum zu bitten. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen der Schwäche, sondern innerlicher Reife.

Das Problem besteht eher darin, wen man um Hilfe bitten sollte. Nicht jede und jeder kann kompetent helfen. Wer an die Falschen gerät, für den kann die erwartete Hilfe zur Belastung werden: Manche, die anderen helfen wollen, machen sie von sich abhängig. Sie meinen immer genau zu wissen, was für sie gut ist und nehmen den Hilfesuchenden ihre freie Entscheidung. Es kann auch passieren, dass man mit irgendwelchen Sprüchen abgefertigt wird, die nicht wirklich hilfreich sind, sondern die Not nur verharmlosen. Ganz schlimm ist es, wenn man die eigenen Probleme offenlegt und Gesprächspartner diese Information nur als Stichwort benützen, um von den eigenen Sorgen zu erzählen. Ich habe selbst vor vielen Jahren arge Magenprobleme gehabt. Ich bin sehr offen damit umgegangen, was zur Folge hatte, dass ich mir ganz viele Krankengeschichten anhören musste.

Wirklich effektiv anderen zu helfen, das ist beim Apostel Paulus ein eigenes Charisma. Nicht jede und jeder kann das. Wenn wir noch einmal auf unseren Bibeltext schauen: Jesus hilft dem Petrus nicht durch gute Tipps, sondern er nimmt ihn einfach an der Hand. Das Wichtigste ist beim Helfen, dass der Hilfesuchende spürt: Da gibt es jemand, dem mein Problem nicht egal ist. Er oder sie ist einfach da, ich kann meine Not aussprechen ohne damit auf die Nerven zu gehen. Gute Ratschläge sind unverbindlich, ich kann entscheiden, was für mich gut ist.

Bitten wir Gott, dass wir lernen, so zu helfen, dass die Hilfe wirklich effizient ist.                    

Roland Schwarz

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